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Auf dem Perserteppich durch den Iran (Teil 2: von Tabriz bis Chalus)

Aufbruch in Tabriz:

Nach dem Frühstück mit einer Familie aus dem Süden Irans machten wir uns auf den Weg nach Sarab. Dort hatten wir einen Kontakt, den wir wieder mal über 4 Hausecken (der Bekannte eines Bekannten eines Verwandten von einem Freund von mir), bekamen. Vorbei an wunderschönen Landschaftsausprägungen rollten wir nach traditionellem Mittagessen und einer zwischenzeitlichen Stärkung durch getrocknete Früchte, die am Straßenrand auf großen Tellern verkauft wurden, bei starkem Gegenwind nach Sarab. Der Kontakt, den wir in Sarab hatten, stellte sich als ehemaliger Vizebürgermeister der Stadt heraus. Er empfing uns in einem kleinen Eisladen, in dem wir auf Safraneis in Karottensaft eingeladen wurden. Nach einer erfrischenden Dusche und einem kurzen Gespräch in seinem sehr geräumigen Haus, übernachteten wir nach ausreichend Essen in dem Stadtpark. 
Als kleine Zusatzinfo: die Iraner sind eine richtige Campinggesellschaft. Während viele Iraner innerhalb ihres Landes reisen, kann man hier ohne Bedenken überall das Zelt aufstellen. In den Stadtparks gibt es zu der Möglichkeit sein Zelt aufzuschlagen auch meistens die passende Infrastruktur wie öffentliche WCs und manchmal sogar Duschen.
Nachdem wir wieder zum Frühstück eingeladen wurden (das Einladen lassen sich die Iraner einfach nicht nehmen) ging es auf den ersten Kilometern unter Begleitung eines einheimischen Radbegeisterten weiter.  Der  Plan war, bis nach Astara and die Küste des Kaspischen Meeres zu radeln. Wir ließen uns von unserem Gastgeber nicht davon abbringen: „Das ist doch viel zu weit. Fahrt nach Ardabil!“ Nett gemeint, aber das was wir uns in den Kopf gesetzt haben, wird auch versucht zu erreichen. Vorbei an einem der sattesten Grüntöne, den wir seit Langem zu Augen bekamen, sollten sich die klimatischen Bedingungen während des letzten Anstieges sukzessive ändern.
Während des Anstieges konnten wir schon deutliche Veränderungen der Vegetation wahrnehmen. Die Landschaft wurde immer grüner und grüner und kurz vor dem Tunnel am Ende der Steigung hatten wir bereits einen deutlichen Temperaturabfall von ca. 36 Grad Celsius auf angenehme 23 Grad Celsius gefühlt. Man konnte bereits eine deutliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit spüren. Was nach dem Tunnel auf uns wartete, war wieder einmal ein Beweis, wie sehr Gebirgszüge, Wind und das Meer die klimatischen Bedingungen und folglich auch die Vegetation beeinflussen. 
Die vorherrschenden Bedingungen auf der anderen Seite des Gebirgszuges hatten tropischen Charakter. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit und der Hitze nach dem Gefälle von 1600m auf -15m (kein Tippfehler: das Kaspische Meer liegt unter dem Nullniveau) kamen wir so richtig ins Schwitzen. Die Landschaft und die Reisfelder, die sich über viele Kilometer erstrecken, erinnerten mich 1:1 an Vietnam. Der ein oder andere Reisbauer hat sogar einen Hut auf, wie er mir aus dem Vietnam bekannt ist. Wer hätte eine solche Landschaft  erwartet. Den Eintopf, den wir in Astara bei unserer Ankunft genossen, war wirklich einmalig und hatte einen außergewöhnlichen Geschmack. Wir kommen allmählich auch aus der türkischen Einflusszone im Iran heraus. 
Nach einer Nacht bei einem Campingplatz, der nicht wirklich etwas Besonderes war, wechselten wir unseren Standort in Astara um einen Tag Pause zu machen. Ein paar Einheimische halfen uns den Campingplatz zu finden. Nach Ablegen des Gepäcks fuhren wir mit den Jungs mit dem Auto zu einem nahegelegenen Haus, wo wir uns duschen konnten. Die Gesellschaft der Jungs vom Campingplatz, die mich an eine Straßengang erinnerte, war richtig amüsant. Sina, der der Anführer der Gruppe zu sein schien wiederholte wie in einer Dauerschleife: „John Cena (berühmter Wrestler)“,  „Slaaash“, „Otscheeeee (was so viel wie OK bedeutete)“ und „English, no English. English yesterday!!“ Ehrlich gesagt keine Ahnung, was er damit sagen wollte. Auf seinem Unterarm hatte er „Badboy“ tattoowiert. Interessant war auch die Gruppendynamik. Als Sina plötzlich jemand zu massieren begann, war mir klar, er musste der Anführer sein haha. „Otscheeee“ wir habens verstanden. Die Jungs ließen uns dann in ihrem Shop, an dem sie den ganzen Tag einen Liter Wasser verkauft hatten, schlafen. Ab und zu wundern wir uns, von was die Leute hier eigentlich leben.
Entlang des Kaspischen Meeres:
Am nächsten Tag waren wir noch nicht lange am Rad, als uns plötzlich ein Junge mit dem Fahrrad überholte. Sein Englisch war ausgesprochen gut. Wir entschlossen uns, mit ihm und seinen Freunden auf einen Tee zu gehen. Es stellte sich heraus, dass uns sein Onkel auf der Straße erspäht hatte und dem Amin sofort einen Anruf gegeben hatte. Es gab in Astara anscheined einen Lehrer, der seinen Schülern ans Herz legte, Gastgeber für Touristen auf dem Rad zu sein, um die Englischkenntnisse zu verbessern. Da Simon selbst ein Mitglied dieser Plattform ist, tauschten wir sofort Kontaktdaten aus. Als er uns ein Foto von Ollie zeigt, dem Australier, den wir in Thessaloniki im Hostel kennengelernt haben, finden wir die ganze Geschichte wirklich unglaublich. Auf der anderen Seite muss man sagen, so groß ist der Zufall im Nachhinein vielleicht doch nicht. Viele Radreisende wählen die Route über das Kaspische Meer und nutzen die Plattform für die Planung ihrer Unterkünfte. Wir machen aber öfters die Erfahrung, dass sich der Kreis immer wieder schließt.
Die kommende Nacht verbringen wir bei Mostafa, der ebenfalls ein Gastgeber auf der besagten Übernachtungsplattform ist. Richtig witzig ist die Tatsache, dass er genau an diesem Tag auch noch zwei andere Österreicher aus Wien bei sich zu Gast hat. Beide in unserem Alter, allerdings nicht mit dem Rad unterwegs. Nachdem wir zu einem super Abendessen eingeladen wurden, genossen wir den Luxus, den uns Mostafa in seiem Haus bot. Bei traditionellem Frühstück am nächsten Tag, konnten wir uns noch ausführlich über diverse Dinge und Gegebenheiten im Iran und Österreich unterhalten.
Nachdem wir uns erst spät von Mostafa’s angenehmer Gesellschaft losreißen konnten, radelten wir nur 60km am Meer entlang und verbrachten die Nacht auf einem Fußballplatz in unseren Zelten.
Die anschließende Fahrt nach Chalus war nichts Besonderes. Der verrückte Verkehr und die damit verbundenen Abgase in dieser dicht besiedelten Gegend in Kombination mit der Monotonie der Fahrt lassen uns froh darüber sein, Chalus am Abend zu erreichen. Im Hotel lernen wir zwei Iraner kennen, die in Frankfurt leben. Wir verbringen eine nette Zeit mit ihnen, während wir unsere Akkus noch für die vermeintlich letzte Tour über einen hohen Pass bis nach Teheran antreten. 

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