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Güle Güle Türkiye, Salaam Iran!

Gleich zu Beginn möchten wir uns bei unseren treuen Lesern, die unsere Reise hier mitverfolgen, entschuldigen, dass dieser Beitrag erst so spät kommt. Wie man aus dem Titel entnehmen kann bzw. der eine oder andere durch E-Mail/Whatsapp-Kontakt schon mitbekommen hat, sind wir im Iran angekommen. Seit dem sind wir entweder am Rad, ein bisschen Sightseeing oder in Gesellschaft von sehr netten und hilfsbereiten Iranern. Dadurch fehlt es uns an Zeit, die wir uns gerne nehmen, um Beiträge in hoffentlich hoher Qualität zu schreiben….
Die letzten Tage in der Türkei

Die letzten Tage in der Türkei sollten noch einmal zur Herausforderung werden und hatten irgendwie symbolischen Charakter. Die etwa 300 km von Erzurum bis zur iranischen Grenze sahen auf der Karte relativ einfach aus und wir planten innerhalb von 3 Tagen über die Grenze zu fahren. Doch schon am zweiten Tag kam es anders: Schon bald merkten wir, dass die Fahrt deutlich anstrengender werden wird, als ein konstanter Gegenwind von Beginn an unser Vorrankommen deutlich erschweren sollte. Aber der Tag hatte noch Einiges für uns auf Lager. Mitten im Nirgendwo sah uns ein Hirtenjunge auf der Straße fahren und rannte auf uns zu. Er rief Etwas auf Türkisch und gab mir mit seinem Stock einen kräftigen Schlag auf den Rücken. Ich glaube er wollte uns damit anfeuern, da seine Eltern uns von der Ferne eher freundlich winkten und lachten. Wie auch immer, schmerzhaft war es auf alle Fälle! Dann ca 10km vor unserer Zielstadt, Dogubayazit, physisch und psychisch ausgelaugt vom Wind, hatte ich dann auch noch einen Patschen…. Eigentlich kein Problem. Wir wechselten den Schlauch innerhalb kurzer Zeit, die Motivation war noch ausreichend vorhanden. Wir fuhren wieder los, als plötzlich zwei Hunde am Straßenrand auf uns aufmerksam wurden und bellend auf uns zu rannten. Der Größere von den beiden kam Alex schon bis auf einen Meter ran, als von hinten kommende Autos die Hunde wieder verscheuchten. Ich dachte mir:“Das war aber arschknapp! Zum Glück gibt es nicht zu wenig Verkehr!“ Kaum waren wir diesen Bestien entkommen, merkte ich, dass ich schon wieder einer Patschen hatte…. Eigentlich war ich mit den Nerven am Ende aber wir hatten noch ein paar Kilometer zu überwinden und so wechselten wir nochmals den Schlauch. Durch den zachen Wind und den technischen Problemen kamen wir erst bei Dunkelheit in Dogubayazit an. Wir waren so fertig, dass wir sehr schnell unsere Pläne, irgendwo zu campen, aufgaben und uns in das erste Hotel einquartierten.
Am nächten Morgen grüßte uns der Wind von gestern und machte uns wieder das Leben schwer. Doch unsere Motivation endlich in den Iran zu kommen war stärker denn je. Zusätzlich hatten wir einen atemberaubende Anblick: vor uns posierte der Vulkan Ararat, der höchste Berg der Türkei mit über 5000 Meter. Besonders beeindruckend ist dabei, dass man sich auf ca 1600 Meter befindet und man somit mehr als 3000 Meter Berg vor sich hat!
Und dann war es soweit, nach ca 35 km waren wir an der Grenze und unser Zielland war erreicht! Mit den Strapazen der letzten Tagen wollte uns die Turkei  wohl Respekt lehren und wir sahen es als Zeichen, dass es nun Zeit war, die Türkei zu verlassen und in, für uns, unerkundete Kulturkreise aufzubrechen!
Mehr vom Grenzübergang und der ersten Zeit im Iran kommt im nächsten Beitrag!










Fazit zur Türkei

Da wir doch ca. dreieinhalb Wochen und dabei etwa 2000 km von West nach Ost radelten, will ich hier ein Fazit zur Türkei schreiben. Im Vorfeld der Reise wurden wir immer wieder gefragt, ob wir denn keine Sorgen hätten durch die Türkei zu fahren. Man hörte ja auch immer wieder in den Medien, dass Touristen vor Reisen dorthin zurückscheuen. Wenn ich mich in die Lage solcher Leute hineinversetze, kann ich zwei Motive ausmachen: zum einen will man mit einer Reise in die Türkei die dortige Politik nicht unterstützen in dem dort sein Geld ausgibt, zum anderen hat man eventuell Bedenken um die Sichheit durch die geographische Nähe zu Syrien und Irak, wo der IS sich ausgebreitet hat oder auch der PKK, einer kurdischen Terrororganisation. Oder aber sogar vor der Willkür der türkischen Polizei bzw den dortigen Behörden die der fragwürdigen Politik unterstellt sind.
Zum ersten Motiv muss ich sagen, dass das Geld das man dort ausgibt hauptsächlich den dort lebenden Menschen zu Gute kommt, die am Ende die gleichen Bedürfnisse haben wie wir und auch nur ihre Familien ernähren wollen. Vielleicht hat der eine oder andere eine andere politische Einstellung als wir und unterstützt den Herrn Erdogan und sein „Quasi-Regime“. Doch muss man sagen, dass sie gegenüber uns immer sehr herzlich, interessiert und gastfreundlich waren. Wobei einige sogar ihre Abneigung gegenüber Erdogan zum Ausdruck brachten.
Zum letzteren Motiv muss man bedenken, dass es sich mit dem Terrorismus so ähnlich wie Flugzeugabstürze verhält: passieren kann es immer und überall, und wenn soweit ist, ist es natürlich ein tragisches Ereigniss, das man niemanden wünscht und medial ein weites Echo schlägt. Doch die Wahrscheinlichkeit ist in Wirklichkeit verschwindend klein. Viel Wahrscheinlicher ist es mit dem Auto zu verunglücken oder von einem Verwandten umgebracht zu werden (So die Statistik). Doch ich kenne niemanden, der sich vor dem Auto oder seinen Verwandten fürchtet. Ist es glaub ich eher die gefühlte Gefahr, die sich unser Verstand einbildet, da wir mit den Zahlen einfach nicht rational umgehen können. Obwohl es in der jüngsten Vergangenheit auch in Europa einige Anschläge gab (London, Brüssel, Berlin, Paris, Barcelona etc) würden wahrscheinlich nur wenige sich ernsthaft Sorgen über eine Reise dorthin machen, da es in Europa ist und gefühlt einfach sicherer.
Doch ich kann im Namen von uns Beiden sagen, dass wir zu keiner Zeit jemals Bedenken um unsere Sicherheit hier in der Türkei hatten. Ganz im Gegenteil fühlten wir uns sehr sicher, auf den Straßen war immer etwas los und die Leute kümmerten sich gut um uns!
Was mich ein wenig verwundert hat, war die unterschiedliche Reaktion der Türken als wir ihnen erzählten, in den Iran zu fahren. Wärend im Westen die Leute besorgt um uns waren, uns verrückt nannten und meinten dabei unser Leben zu riskieren nahmen es die Leute im Osten zustimmend zur Kenntnis oder fragten beim klassischen Small-Talk, ob wir denn auch in den Iran fahren und waren begeistert. Ich finde es interessant, wie dort über ein und das gleiche Land so eine unterschiedliche Meinung herrschen kann.
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3 Kommentare zu „Güle Güle Türkiye, Salaam Iran!

  1. Danke, Jungs, für halten uns auf dem Laufenden! 🙂 Offensichtlich no news is good news, da ihr so beschäftigt sind, eine tolle Erlebnis zu haben 😉 Hier zieht die Winter ein 😉 so genieße die Hitze so lang ihr können… Was ist die Relation Platten Alex zu Platten Simon bisher?

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    1. In dieser Kategorie führe ich nun mit 3 Patschen, während Alex erst 2 hatte. Wir haben schon das Kaspische Meer erreicht, wo es zwar kühler ist (ca 32 grad) aber eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Schon fast tropische Verhältnisse😜

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  2. Immerhin, baden ist auch was, oder? Tabriz. Ich weiß nicht ob ihr jemals etwas von Rumi (Mevlana in der Turkei und ofters in deutschsprächige Raum) gelesen habe, aber für mich ist der der höchste Ausdruck von der mystische Erfahrung. Sein Lehrer der ihn zu seiner Offenbarung gebracht hat war aus Tabriz. Wenn du ein Iraner Jalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī (oder einfach Rumi aus Konya) erwähnst, werden ihr meist mit glanzende Augen erwidert.

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