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Auf dem Perserteppich durch den Iran (Teil 1)

Im Iran angekommen:
Der Übertritt der Grenze am 27.08.17 war überraschenderweise überhaupt keine große Herausforderung. Ein Angestellter an der Grenze erledigte die bürokratischen Dinge für uns, während wir in einem Empfangsbüro ein wenig über unser Vorhaben befragt wurden. Über die ersten Kilometer der iranischen Straßen rollend, konnten wir bereits einen deutlichen Kulturunterschied erkennen. Die Gastfreudschaft der Türkei erfuhr noch eine Steigerungsform ungeahnten Ausmaßes. Im ehemaligen persischen Großreich angekommen erwarteten uns auch ein anderer Architekturstil und komplett andere Schrift und Sprache. Die erste Einladung zum Tee ließ nicht lange auf sich warten. Für die erste Nacht hatten wir uns ein Plätzchen neben einem Sonnenblumenfeld gesucht. Als wir, um zu fragen, auf ein kleines Haus zugingen, kam uns sofort der ansäßige Bauer entgegen und lud uns zum Tee ein. Eine seltsam anmutende Pfeife, die ständig zwischen drei Iranern die Runde ging, gab uns sofort das Zeichen:“Wir sind im Land der Widersprüche angekommen.“ Simon und ich witzelten ein wenig: „Das muss ein schwarzer Afghane sein haha.“ Ein Foto wäre sicher cool gewesen aber sicherlich nicht ganz zur Begeisterung der Iraner haha. Wir haben schon vorab gehört, dass die Islamische Republik Iran alles andere als ein konservativ islamischer Staat ist. Was in der Öffentlichkeit passiert und was hinter den eigenen vier Wänden der Iraner geschieht, sollten zwei verschiedene Welten sein, wie sich später noch oft bestätigte. Dass uns die Menschen hier sofort ihr Vertrauen schenken, liegt wohl nicht nur daran, dass das Vertrauen auf Gegenseitigkeit beruht, sondern auch daran, dass wir als Radfahrer wohl signalisieren, dass wir die harmlosesten Menschen überhaupt sind.
Der kleine Hundewelpen des Bauern, wusste noch nicht recht, ob er unser Freund werden soll, ob er Angst haben muss oder doch lieber sein Revier verteidigen sollte. Beim Mittagessen wurden wir von einem Iraner eingeladen, der auf der Universität für Medizin unterrichtet. Wir radelten durch ein richtig heißes Gebiet, in dem Kilometer weit nur Wüste ersichtlich war. Ein wenig später merkten wir auch, was es wohl heißen mag, in der Wüste unterwegs zu sein. Sobald man hier einen Schluck Wasser trinkt, fühlt sich der Mund sofort wieder ausgetrocknet an. In vielen Hinsichten anders als wir es gewohnt waren. Eine kleine Shisha Bar am Straßenrand kam uns vor Einbruch der Dunkelheit sehr gelegen. Als wir mit einigen Burschen noch ein wenig Erfahrungen austauschten, bereiteten sie uns dort einen extravaganten Schlafplatz unter einem Apfelbaum. Wir schlossen die Burschen sofort ins Herz. Die strahlten eine richtige Freude aus, dass wir ihre Gäste waren. Die bewegten Worte zum Abschied: „Alex, we are happy“ werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Dass Iraner so eine herzhafte Freude austrahlen, wenn sie Gäste aus dem Ausland verpflegen können, hätten wir uns selbst nie vorzustellen vermocht. Dass allerdings auch eine Sehnsucht nach Veränderung spürbar ist, wird mir klar als einer der Jungen sagt: „Das ist Iran“, während er mit dem Finger auf seinen gebrochenen Handybildschirm zeigt. Wir haben verstanden was er damit sagen will. In jederlei Hinsicht eine gebrochene Gesellschaft, wie auch Charlotte Wiedermann in ihrem Buch Der neue Iran schildert. „Alex und Simon. Ich würde am liebsten mit euch mitfahren und die Welt entdecken“, sagt ein anderer Bursche. Wir haben das Gefühl, dass ihre Sehnsucht nach Freiheit und Veränderung durch unseren Besuch kurzzeitig gestillt wurde. Vielleicht sehen viele im Iran lebende Menschen die Touristen in ihrem Land als Vorboten für ein mögliches Tauwetter.
 
Die anschließende Tagestour sollte uns nach Tabriz bringen. Ein alter Mann bringt uns dort zu einem Hotel. Am nächsten Tag wurden wir herzlich in einem Schuhgeschäft zum Tee eingeladen und gingen anschließend mit dem Jungen vom Besitzer in ein Lokal, in dem wir mir kulinarischen Leckereien aus dem Orient verwöhnt wurden. Wir wechselten unseren Standort an diesem Tag und zogen auf einen Campingplatz um, der von Reisenden (fast nur Einheimische) gratis genutzt werden kann. Wir lernten dort einen Franzosen namens Leo und Hammed kennen, der als gebürtiger Iraner für Infineon in Villach arbeitet. Dass Simon im selben Werk ebenfalls ein Praktikum absolvierte, war ein lustiger Zufall. Zudem finden wir bei einem gemeinsamen Abendessen heraus, dass Hammed einen ehemaligen Studienkollegen von mir kennt, der nach dem Abschluss in Leoben ebenfalls zu Infineon gegangen ist. 
Ein älterer Iraner am Campingplatz setzt sich zu mir, als ich gerade ein paar Zeilen meiner Reiselektüre lesen wollte und erzählte mir eine bewegende Geschichte aus der Zeit als Helikopterpilot im Iran/Irak-Krieg. Er lud uns zu seinem Haus in der Nähe von Isfahan ein. Dieses Angebot werden wir gegen Ende der Reise sicher annehemen. Auf dem Bazar von Tabriz werden wir von einem weiteren Iraner angesprochen, mit dem wir anschließend zum traditionellen Mittagessen aufbrechen. Die schönen Muster auf den Teppichen des weltweit Bekannten Teppichbazars von Tabriz versetzen uns in Staunen. Die Besichtigung der Blauen Moschee rundeten die kulturellen Erfahrungen noch ab. Diese wurde im 18. Jhdt. durch ein starkes Erdbeben fast völlig zerstört und in den 1970ger Jahren wieder aufgebaut. Vor unserer Abfahrt ans Kaspische Meer lud uns noch eine Familie aus dem Süden Iran’s auf ein Frühstück am Campingplatz ein. 

Ein Kommentar zu „Auf dem Perserteppich durch den Iran (Teil 1)

  1. Hallo ihr zwei Teppichreiter 🙂

    Es freut mich immer wieder von euren Erlebnissen und Erfahrungen lesen zu dürfen und ganz besonders die Bilder zu sehen.

    Simon, danke dass du bis jetzt so gut auf den Alex aufgepasst hast – so wie ich dich damals gebeten habe! Oder vielleicht ist es auch umgekehrt? Wie auch immer, ich bin froh dass es euch gut geht, ihr so viel erleben könnt und dass ihr kurz vor eurem Ziel seit 🙂

    Ich wünsche euch noch eine schöne verbleibende Zeit im Iran und dass ihr beide wieder gut nach Hause kommt!

    Bussi (an beide) und bis bald,
    Meli

    Liken

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