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Erfahrungen der erste Woche, oder wie wir zum Meer rollten

Das Fahrrad als Transportmittel:
Das Fahrrad als Transportmittel zu verwenden, ist eine sehr unkonventionelle Art zu reisen. Einige Erfahrungen, die wir dabei bis an die kroatische Küste gemacht haben, wollen wir hier niederschreiben.
Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein heißt, äußeren Umwelteinflüssen ausgesetzt zu sein. Diese Einflüsse von Außen können sich positiv auf unser gegenwärtiges geistiges und körperliches Wohlbefinden auswirken oder unseren Körper/unsere Psyche langfristig prägen, indem sie fordernd wirken. Beim Radfahren können diese Reize oft positiv, in Form von guten Gerüchen oder angenehmen Temperaturwechseln, auftreten. In gewissen Pulsbereichen hat man so die Möglichkeit, Erlebnisse viel intensiver mit allen Sinnesorganen wahrzunehmen (mit 195 Puls braucht mir keiner zu erklären, dass wir da noch irgendwas von unserer Umgebung intensiv wahrnehmen. Der Köper konzentriert sich auf sich selbst und versucht eben zu ÜBERLEBEN haha). Bei manchen Menschen kommt es mir persönlich so vor, als hätten sie ständig einen Puls von über 195 Herzschlägen/Minute, da sie sich selbst einfach zu wichtig nehmen und nur an sich selbst und an ihr Überleben denken und dabei oft auf das Wohl der Gesellschaft vergessen.
Mit dem Rad und den Satteltaschen auf die Reise zu gehen heißt auch, in gewissen Lebensbereichen auf Luxus zu verzichten. Fließendes Wasser oder ein  bequemes Bett werden schnell zu besonderen Dingen. Zuhause in Österreich werden viele Dinge oft als selbstverständlich angenommen und daher gar nicht mehr wahrgenommen, was meiner Meinung nach eine große Gefahr birgt.
Mit dem Rad unterwegs zu sein, heißt aber auch, die kontinuierliche Landschaftveränderung intensiver und aktiver wahrzunehmen. Wenn man an Ort A in ein Flugzeug einsteigt, um es an Ort B wieder zu verlassen, kann man nicht von dieser kontinuierlichen Landschaftsveränderung sprechen. Schlagartig findet man sich hier in einer komplett anderen/fremden Kultur und Umgebung vor. Wenn man zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, ist das anders.
Bei der Fahrt von Senj nach Starigrad Paklenica entlang der kroatischen Küste hatten wir eine coole Mischung aus äußeren Einflüssen. Ganz nach dem Motto: „Nichts im Leben ist umsonst“, fuhren wir zu Beginn im hügeligen Hinterland (mit Blick aufs Meer) bei recht heißen (brauche für später vermutlich noch eine Steigerungsform und heiß heiß heiß klingt einfach nicht gut) Temperaturen. Die große Herausforderung war allerdings der böenartige sehr starke Wind, der unberechenbar von allen Seiten zu blasen schien. In kurzen Abschnitten entschloss ich mich sogar, in die Mitte der Straße zu fahren, um Autos das Überholen nur dann zu ermöglichen, wenn auch der 2. Fahrstreifen frei war. Man würde nämlich gar nicht glauben, was gestresste Menschen, die vor irgendetwas zu flüchten scheinen, bereit sind zu riskieren. Es ist dann oft schwierig und nicht ungefährlich die äußeren Einflüsse wie Wind auszugleichen. Das Gehirn muss dabei wie ein elektronischer Regelkreis ständig eine Istgröße mit einer Sollgröße (hier die Fahrtrichtung und Balance) vergleichen, um die Störgröße (hier der Wind) ausgleichen zu können. Das erfordert natürlich sehr viel Energie. Der Regelkreis hat es einfach, da er an das Stromnetz angeschlossen ist. Wir jedoch nicht und deshalb versuchen wir den Energiebedarf unter anderem mit Faschingskrapfen (Schoko oder Vanillefüllung), Cola oder Ähnlichem zu decken. Beim Radfahren darf man sich oft einreden, dass Lebensmittel mit hohem Energiegehalt gesund sind hahaha.
Am zweiten Streckenabschnitt wurden wir für unsere Aufwände/Anstrengungen belohnt. Bei kaum Verkehr flogen wir förmlich wie auf Perserteppichen im Simon Cancellara Zeitfahrmodus entlang der kroatischen Küste, an atemberaubenden Buchten vorbei, bis nach Starigrad Paklenica.
Am Tagesziel angekommen bereiteten wir uns am Meer in einem alten Steinturm noch Pasta zu, um nachher noch den Sonnenuntergang genießen zu können. Abschließend suchten wir uns noch einen Zeltplatz, der von der Vegetation an die afrikanische Savanne (kennen wir aber leider nur vom TV) erinnerte. Hier wild zu zelten ist aber sicherlich wesentlich ungefährlicher. Dieser Umstand hat uns einen erholsamen Schlaf ermöglicht.


Die Satteltaschen:
Ein Mechanik Professor an der Uni würde unsere Räder samt Gepäck vielleicht so beschreiben: “ Es handelt sich um ein symmetrisch um die xz- Ebene aufgebautes Massensystem, das sich translatorisch in einem Inertialsystem (Erde) bewegt und somit einer zeitlichen und räumlichen Änderungsrate unterliegt, wobei relativistische Effekte vernachlässigt werden können.“ Der Student denkt sich dann oftmals:“ Hawara, red Deutsch mit mir!!! Hoaßt des, wir sprechen von einem Radl, des links, rechts und hinten eine Tasche drauf hat und des sich in einer gewissen Zeit von A nach B bewegt?“ „Ja, so kann man es auch sehen“, antwortet der Professor verstört. Beide haben sie recht, leben aber in einer anderen Welt. Wer am Ende des Studiums aufgrund eine geringeren Hebelarms wessen Sprache annehmen wird, das bleibt dem kritischen Leser zu beantworten.
Grundsätzlich kann ich von meinen Erfahrungen berichten, dass solch ein Fahhrad mit Taschen träger wird, je schwerer es beladen ist. Um so ein Massensystem beschleunigen bzw. abbremsen zu können braucht man relativ viel Energie, im Vergleich zum unbeladenen Fahrrad. Das macht den Start-Stop Stadtverkehr, der oftmals unumgänglich ist, abgesehen vom Lärm, der Hektik und dem Schmutz sehr unangenehm finde ich.
Je schwerer das Rad, desto länger werden die Bremswege und daher sollte man (auch um ein wenig Energie zu sparen) vorausschauend fahren (sollten aber eigentlich alle machen aber darf man nicht voraussetzen scheint mir).
Ist das Fahrrad einmal in Bewegung wird es umso stabiler, je schneller man fährt. Das macht das Bergauffahren mit nur niedrigen Geschwindigkeiten oft ein wenig zum Balanceakt.
Dass Massen (kann auch Gewicht sagen) einer Trägheit unterliegen, das hat Sir Isaac Newton vor einigen Jahrzehnten schon gewusst. Eine bewegte Masse will immer ihren aktuellen Zustand beibehalten, was man beim raschen Abbremsen oder Beschleunigen in einem Auto bemerkt. Eine Masse/ ein Körper/ ein Gewicht will also, dass die Summe der auf ihn wirkenden Kräfte zu null wird. Das ist ein Naturgesetz. Genauso wie ein Mensch tendenziell nicht will, dass auf ihn eine äußere Kraft/ein äußerer Zwang wirkt. Das kann man auch auf die Psychologie überführen. Wenn auf jemanden langfristig und ständig ein Zwang wirkt, wird man sich höchstwahrscheinlich gestresst fühlen. Das ist ganz normal, denn es ist ja ein Naturgesetz wie gesagt.
 
Von unserem kleinen Ausflug in die Mechanik wieder zurück zum Radfahren:
Als wir am 17.7.17 von Starigrad Paklenica nach Biograd fuhren, hatten wir nur noch ein kleines Teilstück von ca. 70km zu radeln. Wiederum fuhren wir entlang der Küste und rollten auf dem glatt asphaltierten Straßen super dahin. In Biograd angekommen überbrückten wir die Zeit bis ein Bekannter in Biograd eintraf noch am Strand (das Leben kann manchmal echt hart sein). Gegen Abend radelten wir zu Wolfgangs‘ Apartment in Biograd, der nun bereits aus Österreich eingetroffen war.
Wolfgang habe ich im April dieses Jahres im Bus von Graz nach Split in Kroatien kennengelernt, als wir in Pula erkennen mussten, dass wir in Zagreb umsteigen hätten müssen. Wir einigten uns damals drauf, dass ich auf seiner Couch schlafen darf. Im Gegenzug beteiligte ich mich zur Hälfte an einem Mietauto, um das wir nicht herumkamen, da Wolfgang als verantwortungsbewusster Ryan-Air Pilot seine Ruhezeiten einhalten musste, und daher nicht mit dem Nachtbus fahren konnte. Es war also eine Win-Win Situation, Glück im Unglück oder wie auch immer man es nennen mag.
Am gleichen Abend hatten wir noch etwas zu feiern, da Wolfgang kürzlich ein Job-Angebot von Tyrolean Jet Service angeboten wurde, wo er zukünftig den Privatjet eines wohlhabenden Geschäftsmannes aus Aserbaidschan fliegen wird. Neben vielen anderen Dingen aus der Fliegerei erklärt er uns, dass Tyrolean Jet Service zu 100% der Firma Swarovski aus Wattens angehört.
Der Ruhetag am darauffolgenden Tag war eine willkommene Möglichkeit, um unsere Batterien wieder völlig aufzuladen und einige Dinge zu erledigen (Wäsche waschen, Räder warten etc.).
 Danke Wolfgang für die angenehme Gesellschaft und dein Bemühen, unserern Aufenthalt bei dir zu einem kulinarischem Highlight zu machen. Wir sind dir zu aufrichtigem Dank verpflichtet und wir hoffen,  dass wir uns bald wieder sehen werden.
Über meine persönlichen Erfahrungen im mediterranem Lebensraum:
Je weiter man in den Süden vordringt, desto mediterraner wird das Landschaftsbild. Nicht nur der Geruch der Kiefer und die angenehmen Temperaturen erinnern mich an vergangene Familienurlaube in Italien. Man hat das Gefühl, dass die Leute grundsätzlich einen sehr lockeren Umgang pflegen, trotzdem aber sehr temperamentvoll sind. Vieles spielt sich auf den Straßen ab. Ein weiterer Eindruck, den ich in südlichen Ländern oft beobachte, ist, dass Menschen ihre Prioritäten oft anders zu setzen scheinen. Materielle Dinge wie Haus und Auto scheinen für viele ältere Südländer nicht so wichtig zu sein. Den Menschen in diesen Ländern scheinen viele Äußerlichkeiten nicht so wichtig zu sein. Ich habe mir von Wolfgang erzählen lassen, dass Kroaten richtige Familienmenschen sind. Hier hat die Familie einen sehr hohen Stellenwert. Ein anderer Freund hat mir mal erzählt: „Wenn in südlichen Ländern was von Behörden brauchst, magst dir gscheider eine Woche Urlaub nehmen haha“.
Weitere Vorgehensweise:
Heute werden wir von Biograd nach Split aufbrechen. Aufgrund der Waldbrände die in dieser Region seit Tagen wüten, werden wir es vorziehen, in einem Hostel oder auf einem Campingplatz unterzukommen. Anbei noch ein paar Eindrücke der letzten Tage:

 

2 Kommentare zu „Erfahrungen der erste Woche, oder wie wir zum Meer rollten

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