Uncategorized

Wieso? Weshalb? Warum?

 

Idee vom Internettagebuch:

Simon und ich haben uns dazu entschieden, dass wir unsere Erfahrungen und Eindrücke, die wir auf dieser Reise sammeln, mit unseren Mitmenschen in der Form dieses Internetblogs teilen wollen. Es ist für uns auch eine Möglichkeit, später wieder auf unsere Erfahrungen zurückzugreifen und unsere Vorhaben ein wenig zu dokumentieren.

Die Leserinnen und Leser werden schnell erkennen, dass ich oftmals ein wenig vom Thema der Radreise von Leoben in den Iran abschweife und versuche, bestimmte Verknüpfungen diverser Lebensbereiche herzustellen, die sich für mich im Laufe meines Lebens/Studiums als plausibel herausgestellt haben. Für all jene, die wenig Interesse an meinen naturwissenschaftlichen, philosophischen oder psychologischen Vergleichen diverser Lebensabschnitte haben, werde ich versuchen (ich werde  wahrscheinlich nicht immer daran denken und oft ist es schwierig abzugrenzen) diese Stellen im Schriftstil kursiv zu gestalten, um sie schneller ersichtlich zu machen. Wenn dann alles am Schluss in kursiv geschrieben ist, gibt es mir auch ein deutliches Zeichen, dass ich vielleicht an meiner Bloggestaltung arbeiten sollte (haha).

Ich versuche damit meinen Einträgen in diesem Online-Tagebuch eine persönliche, individuelle Note zu geben.  Ich bin der Meinung, dass das Leben zwar wie ein sehr komplexes Netzwerk ist,  aber doch alles irgendwie miteinander verknüpft ist. Diese Verknüpfungen werden bei jedem etwas anders ausgeprägt sein. Es würde mich aber sehr freuen, wenn der Eine oder Andere Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen herstellen kann.

Unterschwellige Bemerkungen, die in diesem Blog eventuell zwischen den (wesentlichen) Zeilen verborgen sind, sollen nur ein wenig zum Nachdenken anregen. Sie sind absolut nicht böse gemeint. Ich verlasse mich daher auf folgende Erkenntnis: „Jeder liest/hört das, was er sehen/hören will“.

Nehmt‘s  es einfach ein wenig mit Humor (wir werden es bestimmt auch tun), dann ist Vieles im Leben erträglicher (so auch dieser Blog). Wir dürfen ja auf keinen Fall davon ausgehen, dass unsere Meinung die richtige Meinung ist. Es ist und bleibt eben „die eigene Meinung“, die sich dann im Idealfall widerspruchsfrei mit den eigenen Erfahrungen deckt.

Sollte jemand Wissensgut besitzen, das zur qualitativen Verbesserung dieses Tagebuches dienen könnte, sind wir jederzeit für diverse Ideen oder Feedback offen. Unten unsere Email-Adressen:

alex.steurer(at)gmx.at

simon.pillmeier(at)kabsi.at

Wie alles begann:

Im April 2016 waren Simon und ich bereits auf den kanarischen Inseln (Geheimtipp für Radsportler) mit den Rädern unterwegs, als wir uns für den Dreiländergiro am Dreiländereck (Schweiz, Österreich, Italien) ordentlich vorbereiteten, um unser ehrgeiziges Ziel, unter die Top 100 zu kommen, erreichen zu können.

Teide
Atemberaubende Aussicht auf der Fahrt zum Vulkan Teide (3718m)  auf den kanarischen Inseln

Neben dem guten Aussehen, dem ausgeprägten Sinn für Humor und dem sympathischen Auftreten in der Öffentlichkeit haben uns damals auch schon elementare Eigenschaften miteinander verbunden (da muss ich jetzt selber lachen haha).

Besonders hervorzuheben ist dabei die Liebe zum Radfahren. Es ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn man auf dem Rad den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt ist und danach mit einem gesunden Appetit und einem gesättigten Dopamin und Serotoninhaushalt auf der Couch relaxen kann. Gute Musik (die meistens in den Zuständigkeitsbereich von Simon fällt) und eine gute Flasche Rotwein runden das Ganze oft noch ab. Das Coole ist, dass man sich, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, oft mehrmals am Tag die Wampe mit kulinarischen Leckereien aus den jeweiligen Regionen vollhauen kann.

Natürlich gibt es auch kleine aber feine charakterliche Unterschiede.

Während Simon ein Freund der frühzeitigen und gewissenhaften Planung ist, sich viel mit den zu bereisenden Ländern, Kulturen und Sehenswürdigkeiten auseinandersetzt, bin ich oft mal vom Typ her so, dass ich mich noch lange mit irgendwelchen anderen Dingen beschäftige, um dann das Meiste alibihalber und auf den letzten Drücker zu planen und bis zum letzten Augenblick zu schwitzen. Dadurch starte ich oftmals relativ unvorbereitet ins Abenteuer, was aber schon mehrmals zu recht interessante Begegnungen geführt hat.

Beide Charakterzüge haben seine Vor- und Nachteile und führen meiner Meinung nach unterm Strich zu einer relativ interessanten und vielseitigen Mischung. Mein Onkel hat einmal gesagt: „Den Simon, den tuast schon brauchen“. Wie in vielen Punkten muss ich ihm wohl auch da zustimmen.

Nun aber zurück zum Radfahren: Der Gedanke, sich über so lange Distanzen durch eigene Kraft fortzubewegen und dabei immer auf eine eigene Art und Weise mit der Natur verbunden zu sein, ist eine Faszination, die uns beide fesselt. Diese Faszination kann man Außenstehenden Menschen oft nur schwer erklären (aber muss man eigentlich auch gar nicht). Ein großes Vorbild für mich ist unser Professor für Korrosionskunde an der Montanuni. Hr. Mori, lockert seine Vorlesungen immer mit kurzen Zitaten aus einem gelben Buch auf, aus dem er drei Sprüche vorliest, die seiner Meinung nach zum Erfolg führen.

Eine Weisheit, die er uns auf den Weg mitgegeben hat, ist, dass man sich für absolut nichts im Leben rechtfertigen muss. Man sollte stets aus bestem Wissen und Gewissen handeln sollte sich aber niemals öffentlich für seine Taten rechtfertigen. (interessanter Gedanke).

Den Denkanstoß, in den Iran zu radeln, vermittelte mir Simon, nachdem ein Belgier bei ihm auf der Couch eine unvergessliche Nacht verbrachte und Simon von seiner Reise von Belgien bis in den Iran erzählte.

Zu diesem Zeitpunkt schwebte mir noch eine Radreise durch das Baltikum und Skandinavien vor. Ich ließ mich aber relativ schnell von Simon für ein ähnliches Vorhaben begeistern.

An dieser Stelle würde ich gerne auf einen wirklich treffend formulierten Artikel über das Reisen verweisen, den mir ein Freund vor einiger Zeit geschickt hat. Unten der Link dazu:

http://www.goethe.de/ges/phi/prj/ffs/the/rkt/de4371166.htm

Gedanke des „Bike-Packings“:

Die Idee ist, durch sehr reduziertes Gepäck den sportlichen Reisegedanken etwas in den Vordergrund zu stellen. Die Philosophie des so genannten „Bike-packings“ geht auf den Gedanken zurück, sich über längere Zeit komplett unabhängig (wie es bei so genannten „Selbstversorgerrennen“ über längere Distanzen nötig ist) eben selbst versorgen zu können. Man beschränkt sich dabei auf das Wesentliche, da mit jedem Kilogramm Gepäck ein erhöhter Energiebedarf beim Transport einhergeht.

Schlafen werden wir die meiste Zeit in unseren Zelten, bei Bekannten die auf der Strecke liegen oder bei diversen anderen gastfreundlichen Mitmenschen.

Ein paar Worte zur Planung:

Über die Planungsphase könnte man schon ein eigenes Buch schreiben. Ich versuche es trotzdem, mich etwas kürzer zu halten. Gerne würde ich noch auf zwei lustige Begegnungen zurückkommen, die sich in der Planungsphase ereigneten:

Da ich aus Gründen eines eng kalkulierten Budgets kein nötiges Kleingeld für ein geeignetes Fahrrad  zur Verfügung hatte, aber auch nicht mit meinem Carbon Trek (allein schon aus Gründen der Festigkeit und Schweißbarkeit) in den Iran fahren wollte, entschied ich mich, ein gebrauchtes Rad auf „Willhaben“ zu erwerben.

Schnell stach mir ein altes Trek 1500 ins Auge. Ich beschloss den Verkäufer auf Englisch anzuschreiben, da einige Indizien darauf hindeuteten, dass er englischsprachigen Hintergrund hatte. Sofort hatten wir eine gemeinsame Gesprächsbasis und Stefan erklärte mir von seiner Vergangenheit und davon, wie er mit 17 den australischen Kontinent am Rad durquerte und dabei von einem Herrn namens Peter Duker überholt wurde, der gerade einen Weltrekord aufstellen wollte, in dem er um die gesamte Welt radeln wollte (und das in den 70ger Jahren). Dieses Aufeinandertreffen kann man sogar in einem Buch von Peter Duker (das mir Stefan später sogar schenkte), nachlesen.

Noch dazu erklärte mir Stefan im Laufe der etlichen Emails die wir ausgetauscht haben, dass er damals, als er noch in Kalifornien lebte, im Radshop von Jonathan Boyer gearbeitet hat (erster Amerikaner bei der Tour de France und später auch Sieger des Race Across America, das schon seit längerer Zeit meine Faszination auf sich zieht).

Dank dieser Radmechanikerlegitimation und der grenzenlosen Hilfsbereitschaft, Leidenschaft und Gastfreundschaft endeten Simon und ich schließlich Mitte Juni am Salzburger Bahnhof, wo Stefan uns mit einer Fahrrad-Weltmeisterkappe in seinem alten Citroen abholte.  Nach einem super Obstsalat und noch ein paar kleinen Änderungen am Fahrrad radelten Simon und ich (leider nur zu zweit, da Stefan seine Tochter von der Schule abholen musste) zum Mattsee. Vollgetankt mit atemberaubenden Landschaftseindrücken dieser wunderbaren Gegend saßen wir nur wenige Stunden später wieder bei Nudeln, die Stefan inzwischen für uns gekocht hat, im sonnigen Garten.

Salzkammergut
Testfahrt im Salzkammergut mit Simon (Cancellara)

Nach guter Stärkung machten wir uns anschließend wieder auf die Reise nach Leoben. Diesmal auf zwei Rädern.

„Danke Stefan für die tolle Unterstützung, die vielen Tipps und vor allem die Zeit, die du in den Umbau des Rades investiert hast.“

Stefan und Alex
Begleitung auf den ersten Kilometern am Weg nach Leoben

Eine weitere lustige Geschichte ereignete sich, als ich auf der Suche nach einem Mehrstoff-Brenner (funktioniert ähnlich wie ein Gaskocher nur eben auch mit Benzin, Spiritus, Diesel usw.) den Peter aus Wien anschrieb. Als ich Peter von unserem Vorhaben erzählte, stand er uns mit vielen Tipps und Tricks zur Seite, sendete uns Packlisten, Routen im Iran und Fotos von seinem Rad, das er ebenfalls zum Bikepacking-Rad umfunktioniert hatte. Peter hat ebenfalls eine interessante Geschichte zu erzählen:

Seit vielen Jahren ist er regelmäßig über längere Zeiträume in Wüsten auf verschiedenen Kontinenten unterwegs. Seit mehreren Jahren plant er eine Durchquerung der gesamten Sahara vom Atlantik bis zum Nil entlang des 23sten Breitengrades (das hat noch niemals ein Mensch zuvor ohne fremde Hilfe geschafft). Dafür hat er bereits vor über 10 Jahren in diversen Abschnitten der Wüste Wasser vergraben, das er antibakteriell aufbereitet hat. Schön langsam, erzählt er, wird es eng mit der Zeit, da dieses Wasser nach 15 Jahren nicht mehr garantiert bakterienfrei sein könnte. Hoffe der Peter schafft das mit seinen über 70 Jahren noch, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Wir drücken ihm auf alle Fälle die Daumen.

Neben dem Mehrstoff-Brenner zu einem super fairen Preis, hat uns Peter noch ein Zusatzgeschenk in das Päckchen gelegt. „Vielen Dank für deine Unterstützung und die wertvollen Tipps.“

Neben der Beschaffung eines Fahrrades und eines Kochers für das Zubereiten der Speisen drängen sich natürlich noch viele weitere Fragen während der Planungsphase auf: Wie steht es um unsere Wasserversorgung in großen Abschnitten der Strecke? Können wir überhaupt so viel Wasser am Rad transportieren? Wie sieht es mit einem Visum für die Türkei und dem Iran aus? Ist es ein Problem in den Iran einzureisen, wenn man ein amerikanisches Visum im Pass hat? Braucht man bestimmte Vorsorgeimpfungen? Dürfen wir mit einer kurzen Radhose im Iran überhaupt fahren? Wie plant man die Routen und wie kann man am besten Distanzen und Höhenmeterabschätzungen treffen? Gibt es Streckenabschnitte, die man nicht mit dem Rad fahren sollte? Gibt es in diesen Ländern einen starken Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht? Fragen über Fragen, die so vor zu abgearbeitet werden müssen.

Reisemotto:

Ich habe mal mit Simon ein wenig gewitzelt unsere Tour: „Make cycling great again“ zu nennen. Als Anspielung auf den Wahlspruch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „Make America great again!!“

Aber ausgegangen wäre das Ganze (bevor es überhaupt angefangen hätte) dann  höchstwahrscheinlich so:

Aufgrund der psychischen Überlastung gehen wir beide nach ca. 100km  (ich wahrscheinlich schon nach 70km) irgendwo zwischen Graz und Gamlitz ein und der Rest der Gefolgschaft kommt schließlich drauf, dass alles nur leeres Geschwafel war.

Das konnten wir einfach nicht mit uns selbst vereinbaren, unserem Unternehmen so einen Namen zu verpassen. Wie auch immer: Dem Donald Duck(face) wird unser Vorhaben höchstwahrscheinlich ziemlich egal sein, da er momentan sehr beschäftigt sein wird, Amerika eben wieder „Great again“ zu machen. Viel Spaß dabei!!

Wie man an oben stehenden Aussagen erkennen kann, hab ich noch bleibende psychische Schäden von meinem halbjährigen Aufenthalt während der amerikanischen Präsidentschaftswahlen in Florida/USA davongetragen.

Wir werden uns selbst die „Magic Carpet Riders“ nennen. Sollte irgendein in Österreich ankommender Immigrant, von uns berichten, wisst ihr, wer damit gemeint ist. Das wird unser Logo (angelehnt an einen Perserteppich) sein. Vielen Dank an meine Schwester und meinen Kollegen Stefan für die künstlerische Gestaltung.

Reiseroute/Reisephilosophie: Warum Iran?

Aufgrund unserer Ausgangssituation war es für uns ganz klar, die Reiseroute möglichst flexibel zu halten. Flexibilität bedeutet Handlungsfreiheit.

Die Reise soll am 12.07.17  über die Südsteiermark nach  Slowenien führen. Danach werden wir relativ rasch an die kroatische Küste fahren. Später wollen wir über Montenegro, Mazedonien und Albanien nach Griechenland reisen, um über Istanbul dann in die Türkei zu fahren. In der Türkei werden wir uns hauptsächlich im Norden aufhalten. Einen kurzen Abstecher werden wir nach Kappadokien ins so genannte „Love Valley“ machen, das imposante und auch lustige Landschaftsformationen zu bieten hat. Anschließend werden wir über Georgien und Armenien (falls zeitlich noch möglich) in den Iran fahren. Das Ziel sollte die Hauptstadt Teheran sein. Danach werden wir einigen Bekannten von Bekannten von Bekannten von Bekannten von weitschichtig Verwandten einen Besuch abstatten und dabei eventuell auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, da der Iran ein sehr großes Land ist, in dem tausende Kilometer oft wüstenähnlich ausgeprägt sind. (Stellen wir uns im Moment nicht so berauschend vor bei 50°C in der Wüste herum zu radeln).

Es wurde noch kein Rückflug gebucht und Unterkünfte werden spontan über diverse Plattformen oder Kontakten zu Mitmenschen gebucht.

Die meiste Zeit wird uns allerdings das Zelt vor Umwelteinflüssen schützen. Ein eigens gekaufter Benzinkocher soll zusätzlich Flexibilität bringen, da Benzin so gut wie überall auf der Welt erhältlich ist.

Bei Krankheit, Verletzung oder sonstiger Erhöhung der Risikosituation kann die Reise durch die flexible Planung zu jedem Zeitpunkt abgebrochen, die Route angepasst oder komplett geändert werden.

Ich möchte noch klar darauf hinweisen, dass man Iran auf keinen Fall mit Irak verwechseln darf. Irak wird bei einigen Menschen wahrscheinlich mit dem Wort „Krieg“ assoziiert (USA – Irak – Konflikt), was bestimmt (oftmals begründet) auf den Einfluss der Medienlandschaft zurückzuführen ist.

Der Iran gilt seit Jahren als stabiles Land. Das können wir nach Absprache mit einigen Personen (darunter auch einer meiner Besten Freunde Hojabr Pishvazadehmoghaddam (nach zwei Tequila unaussprechbar), untermauern. Die Leute, die im Iran aufgewachsen sind, gelten als überdurchschnittlich gastfreundlich und haben (verlässlichen Quellen zufolge) die größte Freude dabei, Reisenden ihre Kultur näher zu bringen.

Nicht nur kulturell, sondern auch landschaftlich ist der Iran sehr vielseitig, politisch sicher und ist daher für Radsportler eine beliebte Reisedestination.

Die Hauptstadt Teheran liegt südlich des Elbrus-Gebirges und des Kaspischen Meeres im Iranischen Hochland.  Ca. 60 Kilometer nordöstlich befindet sich der mehr als 5600m hohe Vulkan Damāwand, der höchste Berg Irans.

Natürlich ist unsere Motivation für diese Reise nicht nur der Iran, sondern die gesamte Reise dorthin. Wie man so schön sagt: „Der Weg ist das Ziel“.

Vielleicht können wir mit unserer Reise einen kleinen Beitrag dafür leisten, die Vorurteile, die gegen gewisse Menschengruppen vorherrschen, ein wenig einzuschränken.

Da fällt mir eine Aussage von Roland Düringer ein, die er in seinem Buch: „Leb wohl, Schlaraffenland“ niedergeschrieben hat. Sie bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt:

„Die Diskussion, die ich mit mir selbst führe, ist nicht: Geht es um Flüchtlinge, geht es um Ausländer? Sondern: Wie wird man Arschlöcher los? Ich möchte, dass endlich einmal von diesem Planeten die Arschlöcher verschwinden. Arschlöcher heißt für mich: Handeln aus Eigennutzen auf Kosten anderer.“

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass in jedem Land etwa derselbe prozentuelle Anteil an Arschlöchern unterwegs ist. Das positive daran: Die Arschlöcher sind eindeutig in der Minderheit. Wenn man dem positiven Denken eine Chance gibt und freundlich auf Menschen zugeht, kommt man schnell zur Erkenntnis, dass ein Großteil der Erdbevölkerung (egal in welchem Land man gerade ist) ein gutes Herz hat, das Hilfsbereit ist.

Ein paar Worte zur Sicherheit:

Es ist bekanntlich ein schmaler Grat zwischen Selbstverwirklichung und Egoismus. Mit Gedanken, dass etwas passieren könnte, habe ich mich nie wirklich auseinandergesetzt.

Was ich jedoch unbedingt klarstellen will (ganz besonders für unseren erweiterten Familienkreis) ist, dass Simon und ich absolut nicht bereit sind irgendeine Harakiri Aktion zu starten, nur um am Ende sagen zu können, wir haben Teheran erreicht. Wir sind weder Adrenalin-Junkies noch Draufgänger. Wir sind einfach nur radsportliebende Reisende, die ohne Vorurteile andere Länder erkunden wollen.

Wir werden uns während und vor der Reise über die politischen Situationen in den verschiedenen Ländern informieren und uns ständig am Laufenden halten. Dann gilt es die Entscheidung zu treffen: Vertretbar oder nicht vertretbar? An ein Unglück will und darf man bei so einem Vorhaben einfach nicht denken. Das haben wir in Vergangenheit nicht und das werden wir auch in Zukunft nicht anstreben, so zu denken.

Der Mensch hat oft Angst vor Dingen die ihm unbekannt sind. Und noch mehr Angst vor Dingen, die er selbst nicht in der Hand hat.

Ich bin der Meinung, dass man sich nicht allzu sehr von der Medienwelt blenden lassen darf. Man sollte sein Schicksal sicher nicht derart herausfordern, dass man in ein Kriegsgebiet fährt, aber das tun wir auch nicht.

Ein paar Worte zur Freiheit:

Der Schauspieler Roland Düringer hat einmal folgendes gesagt:

„Das Allerwichtigste, das man über die Freiheit wissen sollte, ist, dass Freiheit nicht bedeutet, zu tun und zu lassen, was man gerade will. Freiheit bedeutet: Ich trage große Verantwortung. Es geht um Verantwortung für andere Menschen, für uns selbst und für Dinge, die uns anvertraut wurden. Ein freies Leben ist oft ein unbequemes Leben. Ein wirklich freies Leben zu führen bedeutet, Mut zur Verantwortung zu haben. Ein sicheres Leben ist wiederum etwas anderes. Dazu muss man nicht unbedingt Verantwortung übernehmen. Gibt man die Verantwortung ab, so kann man noch immer ein Leben in vermeintlicher Sicherheit führen. Ein freies Leben kann niemals ein sicheres Leben sein und umgekehrt.“

Das klingt vielleicht im ersten Moment recht philosophisch, ich bin dennoch davon überzeugt, dass in diesen Zeilen ein großer Wahrheitsgehalt verborgen ist. Man sollte in der heutigen Zeit wieder lernen, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen um nicht ständig anderen Leuten die Schuld an der eigenen Situation geben zu müssen. Das ist etwas Schönes, wenn man für die Konsequenzen seines Handelns selbst Verantwortung (Stichwort: Eigenverantwortung) trägt.

Wenn ich mein Feuerzeug für den Gaskocher vergesse, weil ich in der Planungsphase zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war, dann muss ich selber mit den Konsequenzen leben. Im Notfall muss ich Dinge machen, die für einen Großteil der Gesellschaft heute ein wenig eigenartig erscheinen: Ich Frage eventuell einen vorbeifahrenden Türken oder Iraner (vielleicht mit langem Bart und Durban), ob er ein Feuerzeug für mich eingesteckt hat. Natürlich ohne Vorurteile und ohne Angst er könnte gleich „Allahu Akbar“ schreien, mir das Feuerzeug vor die Füße schmeißen und weglaufen. Wenn er das tun würde, wäre er dumm, denn dann hätte er kein Feuerzeug mehr und müsste auch wieder ein neues kaufen. (Also völlig absurd, so etwas zu denken). Auf Wifi und mein Smartphone werde ich mich in diesem Moment Gott sein Dank nicht verlassen können.

Wir könnten unsere Reiseabsicht auch kurz so umschreiben: „Wir bereiten uns auf unsere spätere Selbstständigkeit vor. Entscheidungen die zu treffen sind, treffen wir selbst aus bestem Gewissen und Wissen. Das bringt uns persönlich wirklich weiter im Leben.“ Man schafft langfristig etwas, an dem man Freude hat. Man ist unabhängig. Wenn man von nichts abhängig ist, kann man auch einmal sagen: „Nein, ohne mich!!“ Man stellt sich selbst seine Herausforderungen und hört damit auf, anderen etwas beweisen zu müssen. Nur darum geht es meiner Meinung nach im Leben.

Ich glaube nicht, dass Menschen wie Christoph Strasser, der dieses Jahr wieder souverän das Race Across America gewonnen hat, (Severin Zotter oder David Misch kennt sowieso niemand, deshalb erwähne ich sie hier nicht) Unglaubliches geleistet hat, um der Gesellschaft etwas zu beweisen. Es ist viel mehr eine innere treibende Kraft, die diese Menschen zu Unfassbarem bewegt. 

Ich glaube nicht, dass diese Menschen unantastbar sind: Es ist nur eine Frage der Prioritäten und eine Frage wie viel man bereit ist für gewisse Dinge zu geben/zu investieren und wieviel man persönlich dadurch gewinnt. Wie so oft im Leben eine klassische Bilanzierung. Es gibt ja ein Sprichwort: Das Leben ist ein Geben und Nehmen! Ich halte sehr viel von diesem Leitgedanken. Man kann auch hier von einer Bilanzierung sprechen, die man oft nur unterbewusst durchführt.

4 Kommentare zu „Wieso? Weshalb? Warum?

  1. Den ganzen Beitrag so super geschrieben, ab heute geht´s im richtigen Leben. Dass ihr nur keine Löcher im Arsch reißt…oder, umgekehrt, trefft. Salaam und selig cycling, euch beiden Seelenbrüdern.

    Liken

  2. Wäre ich noch einmal so jung wie ihr, dann wäre ich wohl auch mit von der Partie. Ich beneide euch um eure Erlebnisse und hoffe, dass sie nur positiv sind.

    Liken

  3. Das Durchlesen eurer Zeilen erweckt in mir die Lust meine 7 Zwetschken zu packen, rauszugehen und sofort ein Reise-Abenteuer zu starten 🙂 Ich wünsche euch viele unvergessliche- positive- Eindrücke auf eurer Reise!

    Liken

  4. In Obzor warten Bett, Dusche und haufenweise Nudeln (gerne auch Burgers) auf Euch. Wenn das nicht zu weit abseits Eures ungefähren Weges ist.
    Mögen die Äste kurz und die Wölfe klein bleiben.
    Heinz und Dora

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s